Ich kann's! - Erfahrungsbericht eines ehemaligen Absolventen zu 30 Jahren Akademie für Neue Medien


"Ich kann's", das ist die mir gegebene Kraft der Kunst, der Fähigkeit und Wissenschaft – ich kann's! Wie oft durften wir in der Sprecherziehung von Uli Böhmann diesen Satz mit unterschiedlichem Timbre – mal stark, mal verhalten, mal als man selbst – aufsagen. So lernten wir "Grünschnäbel" Standfestigkeit, Modulation der Sprache und vor allem Präsentation. Und mit diesem Satz vermittelte uns unsere Sprecherzieherin Uli ein Stück Sicherheit und vielleicht auch ein klein wenig Psychotherapie. Denn einige Kursteilnehmer hatten bereits erste berufliche Erfahrungen und auch Enttäuschungen mit im Gepäck.

Wie schlecht fühlte man sich, ging die Moderation mitten in den Gesang und Markus Kahn, "Jingle Kahn", meinte lakonisch: "Don't kill the ramp."
Ebenso erging es jedem beflügelten Kursteilnehmer, dessen „Live-Reportage“ im Zinnfigurenmuseum Kulmbach einen immer tiefer in den Wald führte, und Hans Roland Fessler beim Abhören der Aufnahme in den Akademieräumen auf der Tafel Bäumchen an Bäumchen reihte. Hört sich eigentlich harmlos an, aber verdammt, wir wollten halt Profis sein und hatten uns doch bereits erste Sporen beim privaten oder öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdient.

Aber richtiges Schneiden lernte man erst an der Akademie für Neue Medien, ebenso im Texten den gesetzten und sparsamen Umgang mit der Sprache. Als Journalist, der zur damaligen Zeit "Print" für ein Gebäck aus Aachen hielt und heute eine Presseagentur im sozialen Bereich führt, weiß ich, wie wichtig dieser schmerzliche Schliff war. In Kulmbach wurde uns bei Nachrichten die knappe Schreibe beigebracht, ein wichtiges Handwerkszeug, das in Gold umgewandelt werden konnte. Ganz wichtig auch die Recherche.

Fragte man mich heute nach der größten Revolution im Radio, so war es gewiss nicht die Umstellung von der Schallplatte zur CD, von der Bandmaschine zum Computer. Sicher, die neuen Gerätschaften vereinfachen die Arbeit, die Prozesse bleiben aber ähnlich. Der wahre Quantensprung war und ist das Internet mit seinen unzähligen Portalen! Heute ist es kaum vorstellbar, unter welchen Schwierigkeiten gute Informationen - etwa über Interpreten - aus den damals gängigen Standardwerken herauszuklauben waren. Königswissen, wer Werke und Autoren kannte und im Bücherregal stehen hatte.
Heute kann dieses Wissen von jedermann auf einen Klick abgerufen werden. Damit allerdings wächst auch die Gefahr, dass journalistische Arbeit zu Wikipedia-Wissen verkümmert. Zu unkritisch sind da heute vielleicht jüngere Kollegen. Die Segnungen des World Wide Web können zum Fluch werden. Risiko!

Aber auch dann gilt: Schmunzeln. Ebenfalls ein Lernsubstrat des Kulmbacher Crashkurses, so wie am Ende des Films "Manche mögen’s heiß": Nobody's perfect! Also, machen wir es in Zukunft besser, denn: "Ich kann's!"

Eberhard Thomas Müller M.A.
Absolvent der Akademie für Neue Medien, Jahrgang 1991
Volontariat bei Radio Plassenburg, Mitbegründer von Radio EINS, heute Besitzer einer eigenen Presseagentur



Ein weiterer erfolgreicher Absolvent des gleichen Broadcaster-Jahrgangs ist auch Ian P. Johnson. Er hatte bereits in Neuseeland Journalismus studiert, als er 1991 den Kulmbacher Radiokurs absolvierte, der ein Jahr später für ihn das Sprungbrett zum englischen Programm der Deutschen Welle war.

Der neuseeländische Akzent ist sein Markenzeichen, und sein Interesse gilt Digital Radio Mondiale (DRM). Das System ist verwandt mit DAB+ und wurde in den letzten Jahren in Erlangen beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) für lokale wie weltweit agierende Sender weiterentwickelt.




Ian P. Johnson und Eberhard Thomas Müller, zwei Teilnehmer der "Broadcaster"-Ausbildung, im Jahr 1991 an der Akademie

Ian P. Johnson und Eberhard Thomas Müller heute, beim 30-jährigen Jubiläum der Akademie für Neue Medien am 3. März 2017



Abschlussfeier der "Broadcaster"-Ausbildung 1991 an der Akademie